„Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, ist sein Gesandter.“
Dies ist der Wortlaut der Schahada – Bezeugung. Daran glaube ich.
Der Schöpfer ist durch viele Namen bekannt. Seine Weisheit ist immer erkennbar und Seine Gegenwart manifestiert sich in der Liebe, Toleranz und dem Mitgefühl, die in unserer Gemeinschaft zu spüren sind. Seine unergründliche Fähigkeit leitet uns vom kriegsähnlichen Individualismus, der in der amerikanischen Gesellschaft um sich greift, zu einem Glauben an die Pracht und Würde einer menschlichen Familie des Schöpfers und zu unseren Verpflichtungen als Mitglieder dieser Familie.
Mein Weg zur Schahada begann als Tony Richardson, ein Regisseur, den ich sehr bewundert hatte, an AIDS starb. Mr. Richardson war bereits ein brillanter und international anerkannter Professioneller gewesen, als ich ihn im Alter von 14 bei dem Theaterstück „Luther“ zufällig hinter den Kulissen traf.
Stücke zu schreiben war für mich schon immer ein Weg gewesen, für einen hohen Grad an spiritueller und emotionaler Aussöhnung zu sorgen – sowohl in mir selbst als auch zwischen mir und einer Welt, die ich schon seit meiner Kindheit für brutal hielt. Als Mr. Richardson starb, starb auch ein Teil meines Zugehörigkeitsgefühls zur amerikanischen Gesellschaft.
Ich fing an, außerhalb der amerikanischen und westlichen Gesellschaft – in der islamischen Kultur – nach moralischer Leitung zu suchen.
Die Vorfahren meiner leiblichen Mutter waren spanische Juden gewesen, die unter Muslimen gelebt haben, bis die jüdische Gemeinschaft 1492 durch die Inquisition vertrieben wurde. In meinem historischen Gedächtnis ist der Ruf des Muezzin genauso tief verankert wie das einschläfernde Geräusch des Meeres und das Schwanken von Schiffen, das Trommeln von Pferdehufen durch die Wüste.
Ich fühlte, dass in mir eine Geschichte begann – als ich von der Menschlichkeit des Khalifen Uthman gegenüber den jüdischen Flüchtlingen in der Zeit der Vertreibungen meiner Vorfahren erfuhr. Gott leitete mein Lernen, und ich erfuhr viel über den Islam durch Imam Siddiqi von der South Bay Islamic Association und durch meine geliebte Schwester Maria Abdin, Muslima und Schriftstellerin.
Mein erstes Forschungsinterview führte mich in einen Halal-Fleischladen in San Francisco. Dort wurde mein Verständnis von der islamischen Lebensweise erheblich von der ersten muslimischen Frau, die ich jemals getroffen habe, beeinflusst: eine Kundin mit Hijab benahm sich mit einer unglaublichen Freundlichkeit und Würde und las, schrieb und sprach vier Sprachen. Ihre Intelligenz in Verbindung mit ihrem Freisein von jeglicher Arroganz hinterließ eine bleibende Wirkung auf mich.
Je weiter ich in den Islam eindrang, desto mehr erfuhr ich: Der Islam ist mehr als nur Fakten – er ist eine lebendige Religion. Ich lernte, dass Muslime sich mit Würde und Freundlichkeit verhalten. Ich lernte, dass dezente Bekleidung, die als Zeichen eines spirituellen Zustands getragen wird, das menschliche Verhalten würdevoller machen kann.
Wie die meisten amerikanischen Frauen wuchs ich in einer Atmosphäre auf, in der mir beigebracht wurde, dass mein menschlicher Wert einzig und allein von meiner Attraktivität abhing. Im Islam aber wird der Mensch als Geschöpf Gottes betrachtet – mit Würde und Verantwortung.
In einer Gesellschaft, die uns dem konstanten Druck aussetzt, uns auf Altären des ungezügelten Instinktes zu opfern, fordert uns der Islam auf, uns als menschliche Wesen zu betrachten, die Gott mit der Verantwortung für unsere Beziehungen zu anderen geschaffen hat.
Ich unterstütze und bewundere zutiefst den Respekt des Islam für die Rechte der Frauen und der Männer in der Gesellschaft, für dezente Bekleidung und allem voran für Bescheidenheit und Ehe – die beiden grundlegendsten Fundamente meines Lebens. Ich bin seit über 21 Jahren glücklich verheiratet.
Meine Behinderungen halten mich davon ab, in gleicher Weise zu fasten und zu beten wie die meisten Muslime. Aber ich liebe und respektiere den Islam, den ich durch das Verhalten und die Aussagen von Männern und Frauen in AMILA (American Muslims Intent on Learning and Activism) kennengelernt habe – und wo ich das Freisein von grausamen emotionalen Konflikten und einen Sinn für Spiritualität gefunden habe.
Quelle: IslamReligion.com · von Dr. Kari Ann Owen