Fatima Heeren

Vom Zweifel zur Geborgenheit – Mein Weg zum Islam

Der Islam hat meinem Leben einen tiefen Sinn gegeben. Wenn ich mich heute, über zwanzig Jahre nach meinem Übertritt zum Islam frage, was dieser Schritt für mich bedeutet hat, dann fällt es mir schwer, aus der Fülle der Antworten die wichtigsten auszuwählen.

Aus der Zeit, bevor ich mit dem Islam in Berührung kam, erinnere ich mich vor allem an ein Gefühl der verzweifelten Unsicherheit. Es war nicht nur die von Amerika ausgehende Angst vor dem alles verschlingenden Kommunismus oder dem Weltuntergang. Viel tiefer noch saßen die Zweifel über den Sinn des menschlichen Lebens überhaupt, darüber, ob es möglich sei, sich zur Existenz Gottes zu bekennen, ohne in „Aberglauben“ in unserem ach so fortschrittlichen Zeitalter zurück zu fallen. Um sich nicht dem Vorwurf der Unersättlichkeit auszusetzen, wenn man von einem Leben nach dem Tod sprach, verurteilte man sich sozusagen selbst voll der vermeintlichen Tapferkeit zum Unglauben. Und so verbaute man sich den Weg zu dem befreienden „Ja“ zu Gott.

Die Jahre der Suche

Aufgewachsen in einer „gottgläubigen“ Familie – keiner Kirche angehörig – ertappte ich mich schon als Zehnjährige bei der Abtrünnigkeit, indem ich bei einem christlichen Krippenspiel mitsang oder am Religionsunterricht mit gespitzten Ohren teilnahm, obwohl ich nicht musste.

Mit Anfang zwanzig trat ich auf Drängen meines damaligen Lehrers in die katholische Kirche ein und ließ mich taufen – weil er mir versicherte, der Glaube werde sich mit den Sakramenten einstellen. Ich versäumte fortan keinen Sonntagsgottesdienst, versuchte mich ganz zu öffnen für die göttliche Gnade – und blieb doch eine Außenstehende. Vielleicht lagen die vielen Geheimnisse im katholischen Glaubensgebäude, die nicht hinterfragt werden dürfen, als Ursache dafür, dass die unerfüllte Sehnsucht nach dem Glauben-Können in meinem Herzen fortbestand.

Die Begegnung mit dem Islam

Erst als ich vierundzwanzig war, kam ich durch die Bekanntschaft mit meinem späteren Mann dazu, mich wirklich mit dem Islam zu beschäftigen. Das wenige, was ich darüber in der Schule gehört hatte, ließ mich diesen Glauben durch eine völlig verzerrte Brille sehen. Umso erstaunter war ich, nun hier nicht nur eine Religion im herkömmlichen Sinn, sondern eine alles einschließende Lebensweise vorzufinden.

Zwei Jahre lang las ich, was ich in Deutsch oder Englisch über den Islam in die Hände bekommen konnte. Es begeisterte mich, dass diese Religion so stark auf die natürlichen Anlagen des Menschen ausgerichtet ist, dass nicht Askese und Weltentsagung, sondern Teilnahme am Leben mit all seinen Freuden und Pflichten vom gläubigen Muslim erwartet wird. Auch fand ich so logisch und einleuchtend, dass sich der Islam nicht als neu begründete Religion betrachten will, sondern als folgerichtige Fortsetzung der vorausgegangenen Offenbarungsreligionen.

Bei mir war es vor allem die Dankbarkeit für alles Gute, das ich hatte erfahren dürfen – ein warmer Frühlingstag mit Vogelgezwitscher und den ersten Schlüsselblumen, eine klare Sternennacht, die Begegnung mit liebenswerten Menschen –, die in mir die Sehnsucht nach dem Glauben-Können geweckt hatte. Ich suchte nach einem Weg, jemandem für all dies danken zu können. Der Islam gab mir hierauf die Antwort.

Der Quran spricht das Herz an
„Er hat die Himmel und die Erde erschaffen in Weisheit. Erhaben ist Er über alles, was sie Ihm an die Seite stellen. [...] Er hat den Menschen aus einem (bloßen) Tropfen erschaffen [...] Und das Vieh hat Er erschaffen, ihr habt an ihm Wärme und (anderen) Nutzen [...] Und er hat für euch die Nacht und den Tag dienstbar gemacht und die Sonne und den Mond [...] Ist nun wohl Der, Der erschafft, dem gleich, der nicht erschafft? [...] Und wenn ihr versucht, Allahs Wohltaten aufzuzählen, ihr könnt sie nicht berechnen.“
(Quran 16:3–18)
Fasten und Gebet

Als ich erfuhr, dass vom gläubigen Muslim erwartet wird, dass er während des Ramadan dreißig Tage lang tagsüber weder isst noch trinkt und fünfmal täglich das rituelle Gebet verrichtet, beschlichen mich Zweifel. Ich probierte das Fasten noch vor meinem Übertritt aus – und stellte fest, dass mir der Verzicht überhaupt nicht schwer fiel, wenn ich die Worte „Bismi-llah“ ausgesprochen hatte. Es war sogar eine Freude zu merken, wie gut man sich beherrschen kann, wenn nur der rechte Wille da ist.

Ebenso erging es mir mit dem Beten. Zunächst erschien es mir als arg harte Pflicht, sehr bald aber schon wurde es mir zum Bedürfnis, zur Beruhigung, zu Minuten des Friedens und der inneren Einkehr, die ich nicht mehr missen mochte.

Der innere Frieden

Der Islam hat meinem Leben nach den Jahren der Unsicherheit und der Zweifel einen tiefen Sinn gegeben. Ich fühle mich geborgen, auch wenn das Schicksal mich rüttelt und schüttelt, denn ich weiß jetzt: Man ist hier auf Erden nicht nur, um sich zu vergnügen. Wachsen und reifen kann man vor allem, wenn es einem gelingt, sich auch in schwierigen Situationen zu bewähren und voll Vertrauen in Gott das hinzunehmen, was einem beschieden ist.

Dieses Glücklichsein haben mir all die vermeintlichen Freiheiten des Lebens hier im Westen nicht zu verschaffen vermocht. Das Glück kam mit dem inneren Frieden, der durch das bewusste Annehmen des Islam in mein Herz eingekehrt ist.

Quelle: „Deutsche von Allah geleitet“ · Islamische Bibliothek Verlag · Muhammad Ibn Rassoul