Der Islam ist keine fremde Religion in Deutschland. Seine Geschichte reicht weit zurück – und er ist längst Teil der deutschen Gesellschaft und Kultur geworden.
Erste Kontakte zwischen Deutschland und der islamischen Welt reichen ins 8. Jahrhundert zurück. Muslimische Gelehrte, Händler und Gesandte bereisten das Reich. Friedrich II. (1194–1250), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, unterhielt enge Beziehungen zur islamischen Welt, sprach Arabisch und korrespondierte mit muslimischen Gelehrten.
Im 18. Jahrhundert ließ Preußenkönig Friedrich der Große muslimische Soldaten in seine Armee aufnehmen und gewährte ihnen Religionsfreiheit. Für sie wurde 1866 in Berlin das erste offizielle Gebetshaus errichtet.
Im Schwetzinger Schlosspark steht Deutschlands ältestes Moscheebawerk: Es wurde zwischen 1778 und 1791 unter Kurfürst Karl Theodor vom Architekten Nicolas de Pigage erbaut – als architektonisches Symbol von Aufklärung und Toleranz. Die Anlage verbindet orientalische und europäische Stile und steht heute unter Denkmalschutz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zunächst muslimische Studierende und später Gastarbeiter – vor allem aus der Türkei – nach Deutschland. Heute leben über 4 Millionen Muslime in Deutschland, die meisten davon in der zweiten oder dritten Generation.
Es gibt über 2.000 Moscheen und Gebetsräume in Deutschland. Muslimische Gemeinden betreiben Schulen, Sozialeinrichtungen und kulturelle Zentren. Muslimische Intellektuelle, Wissenschaftler, Künstler und Unternehmer prägen das Leben in Deutschland mit.
„Der Islam gehört zu Deutschland.“
– Bundespräsident Christian Wulff, 2010
Diese Aussage wurde viel diskutiert – aber sie spiegelt eine historische Realität wider. Der Islam ist nicht erst seit gestern Teil der deutschen Geschichte. Die Herausforderung der Gegenwart besteht darin, ein friedliches und respektvolles Miteinander zu gestalten – auf der Grundlage gemeinsamer Werte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Toleranz.
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