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Schätze des Islam am Mittelmeer (1) – Sizilien

Paradiesgarten der Sarazenen – Gaby Imhof-Weber zeigt das spannende, multikulturelle Erbe Siziliens und den Einfluss der arabisch-islamischen Zivilisation auf Europa

Dokumentationsfilm von Gaby Imhof-Weber – 06.05.2005 / HR/SRR / 3sat

🏭 Sizilien – Paradiesgarten der Sarazenen

Die Krone von Kaiser Friedrich II., dem späteren Kaiser des „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“, trägt arabische Ornamente und Gravuren. Friedrich II. war gleichzeitig König von Sizilien und ein Grenzgänger zwischen Orient und Okzident. Denn in Sizilien treffen sich Europa und Afrika! Auf Schritt und Tritt begegnet man auf der Insel arabischen Inschriften, Bauten oder Alltagsgegenständen.

Die arabische Epoche war die Blütezeit Siziliens. Sie beginnt 827 mit der Eroberung Siziliens durch die Sarazenen. Die arabischen Lustschlösser und Gärten, die orientalischen Paläste mit ihren üppigen Zitronen- und Orangengärten ließen die Weltreisenden ins Schwärmen geraten. Selbst die beliebteste sizilianische Sünde, die Süßspeise, ist orientalischen Ursprungs, und auch die Dattelpalmen und Zitrusfrüchte kamen mit den Arabern nach Sizilien.

🏠 Der Sultan ging, sein Wissen blieb

Im Jahr 902 endete mit dem Fall von Taormina die arabische Herrschaft auf Sizilien. Die Normannen vertrieben die Araber – übernahmen aber die orientalische Kultur, beschäftigten islamische Kunsthandwerker zur Ausschmückung ihrer Palastkapellen und christlichen Gotteshäuser und ließen die fähigen arabischen Beamten in hohen Positionen. Die neuen Herrscher waren überaus tolerant und erhielten so die Pracht, die das kontinentale Europa überstrahlte.

An der prachtvollen Palastkapelle Roger II. lässt sich ablesen, dass hier Islam und Christenheit gemeinsam zu Hause waren. Islamische Kunsthandwerker gestalteten Teile der Decke mit arabischen Schriftzeichen, der König wird mit Bart wie ein Kalif dargestellt. Den großen drei Religionen der Insel wird hier Rechnung getragen: Byzantinische, römisch-lateinische und muslimische Religion sind verewigt.

🌟 Friedrich II. und das arabische Erbe

Sein Enkel, der legendäre Friedrich II., wuchs in Palermo auf, liebte alles Orientalische und sprach fließend Arabisch. Seine fortschrittliche Gesetzgebung hatte auf Sizilien großteils bis 1819 Geltung. Die Sultane und Kalifen achteten ihn. Sein legendärer fünfter Kreuzzug wurde nicht mit Gewalt, sondern durch Verhandlungen zum Erfolg geführt. Mit Friedrich II. kamen viele arabische Neuerungen in Europa an.

Fast jede alte Kirche auf Sizilien hat ein arabisches Erbe: sei es in den Kuppeldächern, Koransuren oder arabischen Säulen oder Holzschnitzereien. Die Kathedrale von Palermo war zuvor die Hauptmoschee Palermos.

📄 Quelle: 3sat.de / ARD – 06.05.2005 – Zusammengefasst von Way-to-Allah.com