Reverend David Benjamin Keldani – Abdu'l-Ahad Dāwūd
Geboren 1867 in Urmia, Persien – römisch-katholischer Priester der Uniate-Chaldäer-Sekte (ordiniert 1895 in Rom) – Theologe, Lehrer, Journalist – konvertierte 1904 in Konstantinopel zum Islam
🏫 Eine glanzvolle kirchliche Karriere
Abdu'l-Ahad Dāwūd ist der frühere Reverend David Benjamin Keldani, B.D., ein römisch-katholischer Priester der Uniate-Chaldäer-Sekte. Er wurde 1867 in Urmia in Persien geboren, wo er von frühester Kindheit an unterrichtet wurde. Von 1886–1889 gehörte er zum Lehrkörper der Canterbury-Mission für die assyrischen (nestorianischen) Christen in Urmia.
1892 wurde er von Kardinal Vaughan nach Rom geschickt, wo er Philosophie und Theologie am Propaganda Fide College studierte und 1895 zum Priester ordiniert wurde. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel in der katholischen Zeitung The Tablet über „Assyrien, Rom und Canterbury“ sowie über die „Authentizität der Pentateuch“ (der fünf Bücher Moses).
1897 wurde er von zwei Uniate-Chaldäischen Erzbischöfen ausgewählt, um die östlichen Katholiken beim Eucharistischen Kongress in Paray-le-Monial, Frankreich, zu repräsentieren – eine offizielle Einladung unter Vorsitz von Kardinal Perraud.
🏫 Die Predigt über das „Neue Jahrhundert und den neuen Menschen“
Am Neujahrstag 1900 hielt Pater Benjamin in der Kathedrale von St. George Khorovābād, Salmas, seine letzte Predigt vor einer großen Gemeinschaft, der auch viele nicht-katholische Armenier beiwohnten. Er erinnerte daran, dass nestorianische Missionare schon lange vor dem Islam das Evangelium in ganz Asien gepredigt hatten – und kritisierte, wie konkurrierende katholische, amerikanische, anglikanische und russische Missionen die Assyro-Chaldäische Gesellschaft in feindliche Sekten gespalten hatten.
Fünf große Missionen – Amerikaner, Anglikaner, Franzosen, Deutsche und Russen – bemühten sich, über hunderttausend Assyro-Chaldäer von der nestorianischen „Irrlehre“ zu einer der fünf anderen zu konvertieren. Die russische Mission übertraf die anderen schließlich und trieb 1915 die Assyrer Persiens und die Bergstämme Kurdistans dazu, die Waffen gegen ihre Regierung zu erheben – mit der Folge, dass die Hälfte des Volkes im Krieg vernichtet und der Rest vertrieben wurde.
📖 Die große Frage
Die Frage, die lange Zeit in Pater Benjamins Kopf auf eine Lösung wartete, erreichte nun ihren Gipfel: War das Christentum – mit all seinen vielfältigen Gestalten, Farben und nicht authentischen, verdrehten Schriften – die wahre Religion Gottes?
Im Sommer 1900 zog sich Pater Benjamin in sein kleines Häuschen bei der Quelle von Chāli-Boulaghi in Digala zurück. Dort verbrachte er seine Zeit mit Gebeten und Meditation und las immer wieder die heiligen Schriften in ihren Originaltexten.
Die Krise endete mit einem formellen Rücktritt, den er dem Erzbischof der Unitarier von Urmia sandte. Alle Versuche der kirchlichen Autoritäten, seine Entscheidung zu ändern, waren erfolglos. „Es gab keine persönlichen Streitereien… es war alles eine Frage des Bewusstseins.“
🏭 Der Übertritt zum Islam (1904)
Mehrere Monate war „Mr. Dāwūd“, wie er nun genannt wurde, als Inspektor des persischen Postdienstes in Tabriz tätig. Dann wurde er Lehrer und Übersetzer des Kronprinzen Muhammed Alī Mirsā. 1903 besuchte er erneut England, 1904 wurde er vom britischen und ausländischen Unitarierverband zu Bildungszwecken ausgesandt.
Auf seinem Weg nach Persien besuchte er Konstantinopel – und nach verschiedenen Interviews mit Sheikhu'l-Islām Jemālu'd-Dīn Effendi und anderen Ulama nahm er 1904 den Islam an.