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Schwester Fatima Grimm – Innerer Friede

Ein Vortrag von Fatima Grimm über die Suche nach Gott, die Begegnung mit dem Islam und den inneren Frieden durch den Quran

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Schwester Fatima Grimm

Deutsche Muslima, Autorin – Vortrag gehalten am 3. Juni 1984 auf dem 22. Treffen deutschsprachiger Muslime in Hamburg

Man hat mich gebeten, über den inneren Frieden zu sprechen. Und da fragte ich mich: warum soll gerade ich das tun? Ich bin doch weder eine Gelehrte noch mit besonderer Weisheit gesegnet. Aber womöglich liegt doch ein Sinn darin, dass mir diese Aufgabe gestellt wurde. Es sollte vielleicht gar keine philosophische Behandlung des Themas „Innerer Friede“ sein, sondern der Versuch, euch, meine lieben Geschwister im Islam, durch einen Rückblick teilhaben zu lassen an der Suche nach einem gangbaren Ausweg aus dem uns alle zeitweise erfassenden Wirbel innerer Zerrissenheit.

🌟 Die Jahre vor dem Islam

Da waren zunächst die Jahre bevor ich mit dem Islam in Berührung kam. Das verzweifelte Ausschau Halten nach Richtlinien, die auch tatsächlich Gültigkeit haben. Man sah und hörte so vieles – aber es musste doch Maßstäbe geben, auf die sich die Menschen eigentlich sollten einigen können.

Alles Nachdenken führte in spiralförmigen Kreisen immer wieder auf den unausweichlichen Mittelpunkt zu, die Kernfrage nach Gott. Dass Er da sein muss, hatte das Herz bestätigt, weil es nicht umhin konnte, bei allem Guten, das ihm widerfuhr, Dank sagen zu wollen. Aber wem? Einem „Vater“-Gott auf erhabenem Wolkenthron? Einem leidenden Gott mit Dornenkrone?

Ich erinnere mich an die Stunden nach einer Operation, die mich um ein Haar das Leben gekostet hätte. Ungefähr drei Monate später geschah dann das Wunder, auf das ich kaum noch zu hoffen wagte: Ein klarer Weg hin zu Allah tat sich mir auf: Ich begegnete erstmals bewusst dem Islam.

🏭 Die Begegnung mit dem Islam

Islam – Friede, Geborgenheit durch völlige Ergebung in den Willen Allahs. Und was dieser Wille Allahs ist, das kann jeder nachlesen in einem Buch, das über 1400 Jahre unverändert erhalten geblieben ist.

Durch vorangegangene Enttäuschungen misstrauisch gemacht, begann ich meine ersten Schritte auf dem islamischen Weg zu Allah hin eigentlich in der Erwartung, auch hier würden sich schon alsbald unüberbrückbare Widersprüche ergeben. Aber genau das Gegenteil trat ein. Zu allem, was ich in den folgenden zwei Jahren las, konnte mein Herz nicht anders als ja sagen.

Damit begann der Friede ganz allmählich bei mir einzuziehen. Denn der wichtigste Schritt war getan: Ich wusste jetzt, dass Gott da ist, dass hinter allem ein planender, schöpferischer Wille steht und dass der Mensch, sofern er seine Lebensweise in Einklang mit diesem Willen zu bringen trachtet, seine innere Unrast ablegen kann.

„Wahrlich, Wir haben dir einen offenkundigen Sieg beschieden, auf dass Allah dir deine vergangene und künftige Schuld vergebe, und auf dass Er Seine Gnade an dir vollende und dich auf einen geraden Weg leite… Er ist es, der die Ruhe in die Herzen der Gläubigen niedersandte.“Sure Al-Fath 48:1–4

📖 Die lebenslange Aufgabe

Das ist unsere lebenslange Aufgabe: den Frieden in uns herzustellen, indem wir aufrichtig sind, nicht immer wieder Kompromisse einzugehen, die uns unsicher und letztlich unglücklich machen. Denn das Gewissen ist eigentlich unbestechlich.

Die Reinheit und Richtigkeit der islamischen Lehre erkannt zu haben und dann nicht danach zu leben, kommt einer Lüge gleich. Das weiß unser Gewissen und darum gönnt es uns keine Ruhe, keinen Frieden.

Der wirklich fundierte Friede aber kann nur in unsere Herzen einziehen, wenn er auf Wissen und Erkenntnis beruht. Und es gibt keine unerschöpflichere Quelle für diesen Frieden als den Qurʾān. Wer es sich nicht zur Gewohnheit macht, jeden Tag wenigstens ein paar Verse zu lesen und darüber nachzudenken, beraubt sich selbst des wichtigsten Trostes, der zuverlässigsten Hilfe.

Ein Leben, das sinnerfüllt ist durch den unerschütterlichen Glauben an Allah und daran, dass das Leben hier auf Erden nur eine Vorstufe ist für das Jenseits, ist vor allem deshalb von Frieden getragen, weil darin die schlimmste aller Ängste fehlt – die furchtbare, hilflose Angst vor dem Tod.

„Oh du ruhige Seele! Komm zufrieden zurück zu deinem Herrn und mit (Allahs) Wohlwollen; so schließ dich dem Kreis Meiner Diener an. Und tritt ein in Mein Paradies.“Sure Al-Fajr 89:27–30
📄 Informationszentrale Dār-us-Salām 1999 – Dieser Vortrag wurde erstmals gehalten am 3. Juni 1984 auf dem 22. Treffen deutschsprachiger Muslime in Hamburg.