Charles Le Gai Eaton
Ehemaliger britischer Diplomat, Philosoph und Autor – in der Schweiz geboren – konvertierte in Kairo zum Islam – Verfasser von „Islam und die Bestimmung des Menschen“
🌍 Kindheit ohne Heimat
Ich wurde in der Schweiz von britischen Eltern geboren. Meine Mutter war in Frankreich aufgewachsen und schirmte mich von jeder religiösen Einflüsterung ab. Sie war fest entschlossen, mich davor zu beschützen, die Religion satt zu haben. So entstand schon früh in mir eine freie, suchende Haltung.
🏫 Philosophie – und ihre Grenzen
Mit fünfzehn Jahren entdeckte ich die Philosophie und las Descartes, Kant, Hume, Spinoza, Schopenhauer und Bertrand Russell. Doch bald wurde mir bewusst: „Ich hätte genauso gut Sand essen können, um von dieser Quelle Nahrung zu erhalten. Diese Männer wussten überhaupt nichts. Sie spekulierten lediglich.“
Durch ein Buch über alte Mythologien entdeckte ich, dass hinter allen verschiedenen Religionen bestimmte universelle Wahrheiten stecken. Das brachte mich – ohne es damals zu wissen – näher an die islamische Lehre des Tauhid.
🏋 Der entscheidende Schritt in Kairo
1950 ging ich nach Kairo als Lektor an der Universität. Dort traf ich den englischen Muslim Martin Lings, der schon lange in Ägypten lebte. Er war die lebendige Verkörperung von dem, was bis dahin nur Theorie in meinem Kopf gewesen war.
Ich liebte meine ägyptischen Studenten. Sie waren gute Muslime und durch ihre Wärme und Offenheit begann ich, ihren Glauben zu lieben.
Schließlich war ich mir sicher: Wenn ich es für möglich hielt, mich einer Religion anzuschließen, konnte dies nur der Islam sein. Ich ging zu Martin Lings und bat ihn, meine Schahada anzunehmen. Ich betete zum ersten Mal in meinem Leben. Am nächsten Tag fastete ich – es war Ramadan.
Als ich meinen Senior-Studenten die Neuigkeiten erzählte, war ihre Freude wie eine warme Umarmung. Ich verstand: Es hatte immer eine Grenze zwischen uns gegeben. Jetzt war die Grenze niedergerissen, und ich war als ihr Bruder akzeptiert.