Dokumentationsfilm von Gaby Imhof-Weber – 09.05.2005 / BR/SRR / 3sat
🏉 Granada – das islamische Gesicht bleibt
In den engen Altstadtgassen Granadas duftet es nach orientalischen Gewürzen und Pfefferminz. Arabische Musik schallt aus den vielen Bars und Teehäusern. Mehr als 500 Jahre nach der Rückeroberung der letzten Mauren-Bastion durch die katholischen Truppen hat die andalusische Stadt Granada ihr islamisches Gesicht nicht verloren. Seit dem Juli 2003 erklingt auch wieder der Muezzin über den Dächern von Granada.
⚽ Das Kalifat von Córdoba – Blütezeit der Toleranz
Von 711 n. Chr. an entwickelte sich Andalusien, unter der Herrschaft der Mauren, zu dem florierenden Handelszentrum in Südeuropa. Die Iberische Halbinsel wurde zu „al-Andalus“ und Kunst, Kultur und Wissenschaft erlebten eine Blütezeit. Im Jahr 960 lebte eine halbe Million Menschen in Córdoba mit über dreihundert Badehäusern, gepflasterten und beleuchteten Straßen.
In der Mezquita von Córdoba beteten damals Christen und Muslime gemeinsam. Um 1140 lehrte der arabische Philosoph Averroes unter den Arkaden der Mezquita. Er sprach von Toleranz und Freiheit. Sein Vorbild war Aristoteles, dessen Schriften er übersetzte.
⚑️ Das maurische Erbe in der spanischen Seele
Die Reconquista konnte das islamische Erbe in der Sprache, im Essen, in der Lebenseinstellung und in der Architektur nicht ausmerzen. Der Lebenspuls des Orients schlägt im Flamenco, und tief in der spanischen Kultur ist das Arabische eingepägt, ohne dass es den Spaniern immer bewusst ist.
Der märchenhafte Zauber Tausendundeiner Nacht lebt noch heute fort. Nicht nur in Córdoba, sondern auch in den Alcazares-Palästen von Sevilla, in denen einst muslimische und christliche Künstler Seite an Seite arbeiteten. 800 Jahre lang herrschten Kalifen und Sultane auf der Iberischen Halbinsel. Leidenschaftlich und mit allen Sinnen genossen sie die Schönheiten der Welt.