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1001 Erfindungen – Das muslimische Erbe

Von Andrea Bistrich – Wie die islamische Welt während des „dunklen Mittelalters“ die Grundlagen der modernen Wissenschaft legte

✍️ Von Andrea Bistrich – Quelle: Die Tageszeitung junge Welt, 05.02.2007 / Seite 10

Wenn es nach Professor Salim Al Hassani ginge, müsste man jene Zeitspanne auf der westlichen Geschichtsskala, die man gewöhnlich das „dunkle Mittelalter“ nennt, korrekterweise in das „muslimische Zeitalter“ umbenennen. Denn als der Westen schlief, erreichte die islamische Welt mit ihren zahlreichen wissenschaftlichen und kulturellen Entdeckungen ihren Zenit.

Seit 1993 ist Prof. Al Hassani, der an der Universität von Manchester Linguistik und Kulturwissenschaften lehrt, auf der Suche nach der angeblich „fehlenden Geschichte“ von über 1000 Jahren. Hunderte arabischer Manuskripte hat er durchgearbeitet, um unsere Geschichtsbücher mit den Puzzleteilen aus der islamischen Welt zu ergänzen.

🏥 Vorzeigewissenschaft Medizin

Muslimische Ärzte gründeten die ersten Krankenhäuser der Welt und entwickelten ein Fachspezialistentum, das im Westen erst tausend Jahre später zu finden war. Um 1156 war das „Al-Nuri“-Hospital in Damaskus das größte und fortschrittlichste Krankenhaus – mit mehr als 8000 Betten. Die medizinische Versorgung war kostenlos.

Abu Bakr ar-Razi (864–930) war Pionier der Geburtshilfe und Augenheilkunde, Vater der Kinderheilkunde. Er erkannte die sterilisierende Eigenschaft des Alkohols und verwendete ihn als Antiseptikum.

Ibn Sina (Avicenna) (980–1037): Sein „Kanon der Medizin“ war über 600 Jahre das Standardwerk – noch 1909 an der Universität Brüssel verwendet. Er beschrieb als erster das Krankheitsbild der Meningitis und erkannte, warum Epidemien sich verbreiten und Tuberkulose ansteckend ist.

🔬 Algebra, Algorithmen, Astronomie

Al-Khwarizmi (780–850) erfand die Algebra und die Algorithmen-Lehre, führte Dezimalzahlen und die Ziffer Null in das arabische Zahlensystem ein.

Al-Zahrawi (936–1013) entwickelte über 200 chirurgische Instrumente, die die medizinische Wissenschaft revolutionierten.

Al-Idrisi (1100–1166) konstruierte den ersten Globus – einen 400 kg schweren Erdball aus purem Silber. 350 Jahre vor Kolumbus und zwei Jahrhunderte vor Marco Polo zeigte er, dass die Erde rund war. Christopher Kolumbus zog seine Weltkarten für seine Reisen heran.

Ibn al-Haitham (Alhazen) (965–1039): Begründer der Optik, erfand die erste Lochkamera, die Lupe und legte den Grundstein für die spätere Erfindung der Brille durch Roger Bacon.

Abbas Ibn Firnas (810–887) baute 852 den ersten Flugapparat und unternahm den ersten wissenschaftlichen Flugversuch der Geschichte – tausend Jahre vor den Gebrüdern Wright.

📚 Das Haus der Weisheit

Harun ar-Raschid (786–809) gründete das Bayt al-Hikmah („Haus der Weisheit“) in Bagdad – ein weltweites Zentrum der Geistes- und Naturwissenschaften. Hier wurden Werke von Galen, Hippokrates, Platon, Aristoteles und Archimedes ins Arabische übersetzt. Das erste Papier erreichte Bagdad um 750 aus China – vier Jahrhunderte bevor es in Europa ankam.

Bagdad war zu seiner Zeit die wohlhabendste Stadt der Welt, Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung. Während die größte Bibliothek des christlichen Europa zu dieser Zeit 36 Bände zählte, standen Gelehrten in Córdoba bereits über 500.000 Bücher zur Verfügung.

🌐 Ausstellung: www.1001inventions.com

📄 Andrea Bistrich – Junge Welt, 05.02.2007
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