Von Nils Minkmar – Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.03.2008, Nr. 12 / Seite 29
📋 Ein offener Brief über einen ehrenhaften Menschen
Sind wir die Terroristen? Jeder Schüler kennt den Anklagepunkt des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals: Vorbereitung eines Angriffskrieges. Jeder Fernsehzuschauer weiß, dass der Krieg gegen den Irak ein Angriffskrieg war. Dennoch gibt es kein Tribunal, keine Angeklagten, kein Verfahren.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, weiß jeder. Dennoch ist es schon in der Berichterstattung ein Unterschied, ob ein Deutscher, ein Europäer, ein Amerikaner ums Leben kommt oder ein Araber – im letzten Fall erfahren wir nicht mal den Namen des Opfers.
🏆 Jürgen Todenhöfer – Einzelkämpfer
Was ist aber, wenn psychische Verarbeitungsmechanismen ausbleiben? Wird man dann verrückt? Ist es Wahnsinn oder Widerstand, wenn einer in drei großen Tageszeitungen – der New York Times, Al Quds und der F.A.Z. – seitenweise Anzeigen kauft, um bekanntzumachen, was doch eigentlich jeder weiß?
Außer islamhassenden Internetbewohnern dürfte es jedem vernunftbegabten Leser schwerfallen, Jürgen Todenhöfers Appell an unsere eigenen westlichen Werte zu ignorieren. Er hat es sich nicht leichtgemacht. Seine Kenntnis der Verhältnisse im Irak hat er nicht allein aus der Zeitungslektüre. Er hat in Jordanien und Syrien mit Flüchtlingen gesprochen und war schließlich fünf Tage in Ramadi, als Arzt getarnt – eine lebensgefährliche Reise.
📈 Die Zahlen sprechen
Jürgen Todenhöfer
✅ Die Botschaft
Todenhöfers Buch „Warum tötest du, Zaid?“ legt einen sehr unmodernen Schluss nahe: Wir, der Westen, wir sind nicht die Guten – waren es vielleicht nie.
Er empfiehlt eine Art KSZE für den Nahen Osten. Beim Thema Versöhnung zeigt er sich optimistisch: „Versöhnung ist möglich. Sie wird kommen.“